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++ 33 | 9081 Zeichen | Artikel vom: 15. 04. 2006   Druckversion

Atomkatastophe von Tschernobyl vor 20 Jahren

Aufruf des AKU zur Teilnahme an der Demo am AKW Biblis 29. April 06 12:00Uhr Kirchplatz Biblis

Treffpunkt fuer Wiesbaden:

Sa. 29.April 06
10:30 Uhr

Park and Ride-
Parkplatz am
Hauptbahnhof WI

Pkws mitbringen,
Fahrgemein-schaften bilden

Treffpunkt fuer Wiesbaden: Sa. 29.April 06 10:30 Uhr Park and Ride- Parkplatz am Hauptbahnhof WI Pkws mitbringen, Fahrgemein-schaften bilden

Auf zur Demo!
20 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl schwindet das Wissen der Menschen über die Gefahren der Atomenergie. Gleichzeitig wittern die großen Energieversorgungsunternehmen (EVU) Morgenluft: Der Ruf der Atomindustrie und ihren Wasserträgern nach längere Laufzeiten für marode AKWs dient lediglich der Profiterhöhung der Atomstromkonzerne. Die bereits amortisierten Altmeiler erweisen sich als Gelddruck-maschinen. Und wer schaltet eine solche schon ab, bevor sie wirklich kaputt ist?
Wir weisen die Forderungen von Roland Koch, Wirtschaftsminister Glos u.a. nach Laufzeitverlängerung oder sogar Neuerrichtung von Reaktoren entschieden zurück. Diese Maximierung des Profits der EVUs geschieht auf Kosten unserer Sicherheit und hemmt den Ausbau einer erneuerbaren Energieversorgung.
Dagegen müssen wir uns wehren.



Wir weisen die Forderungen von Roland Koch, Wirtschaftsminister Glos u.a. nach Laufzeitverlängerung oder sogar Neuerrichtung von Reaktoren entschieden zurück. Diese Maximierung des Profits der EVUs geschieht  auf Kosten unserer Sicherheit und hemmt den Ausbau einer erneuerbaren Energieversorgung. Dagegen müssen wir uns wehren.

 

AKW Biblis abschalten

Das AKW in Biblis läuft seit 30 Jahren –es ist altersschwach. Kritische Werkstoffprobleme treten bereits nach 20 Jahren auf, zum Beispiel Versprödung des Reaktordruckbehälters, Schäden an Rohrleitungen und Risse in den Steuerstabdurchführungen. Die Anzahl der Störfälle ist immens, immer wieder kam es aufgrund technischer Pannen zur erhöhten Freisetzung radioaktiver Substanzen. Unvergessen bleibt der bislang schwerste Störfall in einem deutschen Atomkraftwerk: Am 16. Dezember 1987 klemmte beim Anfahren des Blocks A ein Ventil und blieb offen. Erst nach 15 Stunden nahm das Betriebspersonal in Biblis die aufleuchtende Warnlampe ernst. Durch das folgende Bedienmanöver verlor der Reaktor Primärkühlmittel, das Ventil klemmte  weiterhin. Ein  Sicherheitsventil  verhinderte ein Tschernobyl in der Rhein-Main-Region. Die Betreiber vertuschten den Unfall. Erst ein Jahr später kam er zufällig  ans Licht der Öffentlichkeit. Daraufhin stellte der damalige hess. Umweltminister Weimar (CDU) 49 Auflagen für den Weiterbetrieb von Biblis. Bis heute sind nicht alle erfüllt, zum Beispiel wurde nie die geforderte verbunkerte „Notstandswarte“ für Block B errichtet. Dem heutigen hess. Ministerpräsidenten Koch gilt das damalige Urteil seines Kollegen nichts: Für ihn ist Biblis sicher.

Es ist unverantwortlich, ein Atomkraftwerk in naher Entfernung zum Frankfurter Flughafen zu betreiben. Für die Verdichtung des Flugverkehrs über der Region setzt sich Herr Koch ja ebenfalls „brutalstmöglich“ ein. Dabei gibt es keine Hilfe mehr, wenn ein  Flugzeug  in das AKW Biblis stürzt: Die Schutzhülle ist zu schwach, das geplante Einnebeln des Reaktors gegen gezielte Angriffe taugt allenfalls als Satirevorlage.

 

Atomkonsens? Wir fordern  die sofortige Stilllegung  beider Blöcke!

 

Der Atomkonsens mit dem Betreiber RWE sieht das Laufzeitende für Block A am 26.2.2007 vor, für Block B am 31.1.2009.  Der Weiterbetrieb von Atomanlagen hat nie den Konsens mit der Anti-AKW-Bewegung gefunden. Der Atomkonsens hat es  erst möglich gemacht, dass an den AKW- Standorten  Zwischenlager entstanden, dass mit den Restlaufzeiten noch mal dieselbe Menge hochradioaktiven Mülls produziert werden kann, wie zum Zeitpunkt des „Konsens“ bereits produziert war. Auch der Export des nuklearen Risikos, dessen Folgen wir nun in den Neubauplänen in Frankreich, Süd- / Südosteuropa, Skandinavien und anderswo erleben, war im  Atomausstieg ausgespart.

Die Urananreicherungsanlage in Gronau konnte unter Rot-Grün erweitert werden, mit einer Verdreifachung der Kapazität. Auch wird im Salzstock Gorleben weitergearbeitet. Es ist zu befürchten, dass in Ermangelung eines „sicheren“ Endlagers für hochradioaktiven Müll der Salzstock Gorleben, nur wenige hundert Meter neben der Gorlebener CASTOR-Halle zum Endlager wird.

 

Wir haben gut daran getan den „Atomausstieg“ als das zu kritisieren was er eigentlich ist: Einen Bestandsschutz für die dato errichteten AKWs, in einer zeitlichen Größenordnung, die den ursprünglich geplanten Betriebsdauern entspricht. Mit beachtlicher Ausdauer werden bis heute die Transporte nach Gorleben immer noch von tausenden AtomkraftgegnerInnen blockiert und gestört. Widerstand geleistet gegen den Betrieb der Atomanlagen.

 

Schon der Normalbetrieb ist der Skandal

Schon im Normalbetrieb hat die Atomindustrie  ein massives Problem - bis heute ist die Entsorgung der hochradioaktiven Abfälle ungeklärt. Bisher konnte kein Endlager nur annähernd zur Genehmigungsreife gebracht werden. Der fast ewig strahlende Atomabfall lässt sich nicht lagern, ohne nachfolgende Generationen zu bedrohen.

Aus Ermangelung eines Entsorgungskonzepts wurden an vielen AKW- Standorten neue dezentrale „standorteigene“ Zwischenlager errichtet, die ungelöste Entsorgungsfrage hinter Stacheldraht versteckt. Sicherer wird der Müll damit nicht gelagert.

Diese Ausweitung der Zwischenlagerkapazitäten, die im Rahmen des „Atomkonsens“ stattfand, kritisieren wir als Sicherung des Weiterbetriebs.

Bis Mitte 2005 wurden noch abgebrannte Brennelemente in Wiederaufbereitungsanlagen in Frankreich und GB transportiert. Dort türmt sich ebenfalls deutscher Atommüll, der darauf wartet in einem hochgefährlichen Prozess zu Plutonium und riesigen Mengen hochaktiven Mülls „wiederaufbereitet“ zu werden. Der deutsche Atommülltourismus hatte vor allem das Ziel die Entsorgungsproblematik weiter auf den St.Nimmerleins-Tag zu verschieben.

Auch der alltägliche Normalbetrieb birgt die Gefahr eines Unfalls: 1986 trat im AKW Hamm-Uentrop stark radioaktiv belastetes Helium aus, die Umgebungsbelastung stieg auf das Vierfache der durch die Wolke von Tschernobyl verursachen Radioaktivität. Die Rhein-Main-Neckar-Region entging 1987 knapp einer Katastrophe. Im AKW Brunsbüttel kam es 2001 zu einer Wasserstoff-Explosion, die nur mit Glück keinen Super-GAU auslöste.

Die Argumentation „Atomkraft als  Klimaschutz“ ist allzu durchsichtig. Diese Betrachtung blendet den ganzen Prozess der Brennelementherstellung und die Weiterbehandlung des Atommülls aus.Klimaschutzziele lassen sich  mit anderen Mitteln eher erreichen. Verantwortung für die Zukunft bedeutet  massiven Ausbau der erneuerbaren Energien verbunden mit Energieeinsparung und effizienterer Energienutzung.

 

Atomkraftwaffen abschaffen

Atomkraftwerke und Atomwaffen stehen von Beginn an in  engem Zusammenhang. Eigentlich eine Binsenweisheit, aber viele Menschen verdrängen diese Tatsache. Die aktuelle Diskussion um den Iran oder auch Nordkorea zeigt, dass die angeblich „friedliche“ Nutzung der Atomenergie immer  Mittel und Weg ist, um Atomwaffen zu bauen. Israel, Pakistan und Indien  haben es vorgemacht, andere Länder werden folgen, wenn die Atomkraftnutzung nicht beendet wird. Man muss also verstehen, dass Stromerzeugung und atomare Bedrohung zwei Seiten einer Medaille sind. Atomwaffen gefährden die ganze Menschheit.

 

Macht mit!

Atomkraft ist nicht verantwortbar, nicht bei friedlicher Nutzung und schon gar nicht als Waffe. Wir fordern dazu auf, an der Bündnisdemonstration des „Aktionsbündnisses 20 Jahre Tschernobyl“ teilzunehmen.

 

  • Die Lehre von Tschernobyl: Atomenergie ist ein Auslaufmodell
  • Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen! Weltweit!
  • Kein Export des atomaren Risikos
  • Keine weiteren Castor-Transporte
  • Atomkraftwaffen abschaffen

AKU _________________________________

Treffpunkt für Wiesbaden: Sa. 29.April 06

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