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++ 17 | 4865 Zeichen | Artikel vom: 27. 10. 2007   Druckversion

Veranstaltung zum 20. Jahrestag

Die tödlichen Schüsse an der Startbahn West – Eine szenische Lesung


Am 2.11.2007 ist der 20. Jahrestag eines Ereignisses, das als Novum in die Geschichte sozialer Bewegungen eingehen sollte: Im Verlauf einer Nachtaktion an der Startbahn West, an der sich ca. 400 StartbahngegnerInnen beteiligten, wurden tödliche Schüsse auf Polizeibeamte abgegeben.
Freitag, der 2.11.2007 Bürgerhaus Bornheim-Mitte Arnsburgerstr. 24, Frankfurt/M.(U-Bahnstation Höhenstrasse), Clubraum 1



Für Startbahnbefürworter war schon lange, sofort alles klar. Sie wussten, wer es war und wie es dazu kommen musste: Von »eine(r) Gruppe von terroristischen Gewalttätern«, die ein »Inferno« anrichteten, sprach Springers ›Abendpost‹, die liberale ›Zeit‹ wusste vom »kaltblütigen Mord (...) als ultimative Perversion unserer Versammlungsfreiheit« zu berichten und der ›Spiegel‹ konnte sich nicht satt sehen und halluzinierte von einer »schwerbewaffnete(n), blutige(n) Wanderarmee«.

Viele sahen in der Beerdigung der Startbahnbewegung die Gelegenheit, eine Grabesrede zu halten, u.a. Grüne Politiker, die einst versprachen, den Protest ins Parlament zu tragen, bis nur noch ihre eigene Karriere übrig blieb.

Die Startbahnbewegung konnte es, im wahrsten Sinne des Wortes nicht fassen:

  • War es eine geplante Aktion einer Startbahngruppe? War es eine Staatsschutzaktion?
  • Waren die Schüsse logischer Endpunkt einer Radikalisierung?
  • Welches Ziel kann eine Bewegung ansteuern, die nicht nachhause geht, wenn das Projekt durchgesetzt ist?
  • Wie kann ein Konflikt politisch bleiben, wenn das stärkste Argument des Staates Gewalt ist?
  • Wie vielfältig und unterschiedlich darf, muss eine Bewegung sein, für wie viel Bestimmtheit sind alle verantwortlich?

Auch wenn diese Fragen nach den tödlichen Schüssen drängender wurden – sie standen lange vorher im Raum.

Auch wenn es die Startbahnbewegung so nicht mehr gibt - die Fragen sind geblieben, die Suche nach Antworten ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Die szenische Lesung basiert auf über fünfzehn geführte Interviews mit damals Beteiligten. Zentraler Ort der Erzählung ist die Startbahn West. Die ZuhörerInnen begleiten die damals Beteiligten durch den Wald, an die Startbahn, zurück nach Hause, ins Polizeigewahrsam, zum Verhör – eingeholt von Ereignissen, die ihr bisheriges Leben grundsätzlich ins Wanken brachten (Hüttendorfräumung/1981, Tod von Günther Saré/1985, Tschernobyl/1986, Strommastaktionen, Plutoniumfabriken Alken-Nukem). Ihre Gedanken, ihre Entscheidungen waren so verrückt, so unglaublich, so mutig, so aberwitzig, so konsequent und größenwahnsinnig wie es Menschen sein müssen, die den gefahrlosen Pfad der reinen Kritik verlassen.

Dass Geschichte nicht in der Vergangenheit liegt, sondern in der Gegenwart des Begreifens wird Ende dieses Jahres – ganz unphilosophisch – Realität. Dann ist das Planfeststellungsverfahren zum Bau einer dritten (Nord-)Landebahn durch den Kelsterbacher Wald abgeschlossen - Startschuss für die Rodung.

 

Die szenische Lesung basiert auf einem Buchprojekt

Weitere Informationen unter:

www.wolfwetzel.wordpress.com

 

Tag      Freitag, der 2.11.2007

      Uhrzeit:    20 Uhr                            

                Ort:               Bürgerhaus Bornheim-Mitte            

                            Arnsburgerstr. 24, Frankfurt/M.             

(U-Bahnstation Höhenstrasse )=Clubraum1                                                             

 

 

Dazu gibt es Bilder, Dias und aktuelle Informationen zur Startbahn-Nord.

 

Im Rahmen der (Gegen-)Buchmesse:

www.gegenbuchmasse.de

 

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