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Presseerklärung der Initiative Wiesbadener Ärztinnen und Ärzte gegen den Bau eines Kohlekraftwerkes auf der Ingelheimer Aue am Mainzer Rheinufer
In dem von den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden (KMW) geplanten Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue sollen täglich 5000 Tonnen Steinkohle verfeuert werden. Damit wird nicht nur eine gigantische Menge des Treibhausgases CO2 erzeugt. Vielmehr werden auch Schadstoffe freigesetzt, die sowohl die Umwelt wie auch die menschliche Gesundheit schädigen. Dabei handelt es sich um Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Arsen, Nickel, Blei, Cadmium, Quecksilber, verschiedene Chlorverbindungen, Dioxin und Furane, radioaktive Stoffe und Feinstaub täglich. Bisher haben über 200 Ärztinnen und Ärzte aus Mainz und dem linksrheinischen Umland mit Ihrer Unterschrift gegen den Bau des Kraftwerks protestiert. Nun haben auch Wiesbadener Ärztinnen und Ärzte die Initiative gegen die drohende Luftverschmutzung ergriffen, denn Schadstoffe kennen keine Landesgrenze. Binnen weniger Tage unterschrieben schon über vierzig Medizinerinnen und Mediziner den Appell... Dass Schwefeldioxid und Stickoxide die Atemwege schädigen und Dioxine und Furane Krebs erzeugen, ist seit langem bekannt. Seit Jahren verdichtet sich die internationale Datenlage über die gesundheitsschädlichen Wirkungen von Feinstaub. Das geplante Kohlekraftwerk wird an jedem Tag 1,3 Tonnen (26 Zentner) partikelförmige Materie, so die Fachbezeichnung, in die Luft blasen. Feinstaub hat einen Durchmesser unter 10 Mikrometer. Die besonders feinen Teilchen (unter 2,5 Mikrometer) gelangen in die Lungenbläschen, ultrafeine Partikel (unter 0,1 Mikrometer) gelangen von dort in den Blutkreislauf. Inzwischen gilt als gesichert, dass hohe Konzentrationen von Feinstäuben mit dem Auftreten von - Chronischer Bronchitis - Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs - Lungenkrebs beim Menschen im Zusammenhang stehen. Eine Konzentration, unterhalb derer die Partikel gesundheitlich unbedenklich sind, ist bislang nicht bekannt.
Die Erstunterzeichner der Initiative Wiesbadener Ärztinnen und Ärzte gegen das geplante Kohlekraftwerk (Dr. Petra Fabri - Richters, Kinderärztin, Dr. Michael Forßbohm, Arzt für Lungen- und Bronchialheilkunde und Öffentliches Gesundheitswesen, Roland Rübel, Arzt für Allgemeinmedizin und Dr. Michael Wilk, Arzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapie und Notfallmedizin) rufen ihre ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auf, sich dem Aufruf anzuschließen. Er ist unter www.aerzte-initiative-wiesbaden.de zu finden. Sie rufen die Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger auf, die Klima- und Gesundheitsrisiken durch das Kohlekraftwerk ernst zu nehmen und Einwendungen gegen seinen Bau zu erheben. Weitere Informationen und Hilfestellung beim Schreiben von Einwendungen finden sich unter www.kein-kohlestrom-wiesbaden.de . Dr. Petra Fabri-Richters Dr. Michael Forßbohm Roland Rübel Dr. Michael Wilk
+++Appell+++Appell+++Appell+++Appell+++Appell+ Initiative Wiesbadener Ärztinnen und Ärzte gegen das geplante Kohlekraftwerk An die politisch Verantwortlichen, an die Vertreterinnen und Vertreter der politischen Parteien in den Gremien und Aufsichtsräten der KMW und der beteiligten Stadtwerke:Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) planen den Bau eines Steinkohlekraftwerks auf der Ingelheimer Aue.Mit der Entscheidung für den Bau eines 823 MW Kohlekraftwerks als künftigen Ersatz für ihr 400 Megawatt Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GUD) schlägt die KMW den Bemühungen um gebotenes schnelles Handeln bei der CO2-Reduktion, vor dem Hintergrund der Klimaschutzdiskussion, ins Gesicht. Die Weichenstellung für den Brennstoff Kohle bedeutet, dass sich der CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde Elektrizität verdoppeln wird. Zusammen mit der geplanten Verdoppelung der Stromproduktion am Standort Mz/Wi ist also mit einer Vervierfachung des CO2 -Ausstoßes gegenüber dem heutigen Kraftwerk zu rechnen.Der Ausstoß von jährlich mehr als vier Millionen Tonnen des „Treibhausgases“ Kohlendioxid durch das geplante Kohlekraftwerk ist nicht akzeptabel.Die Erzeugung von 823 Megawatt Leistung benötigt die Verbrennung von ca. 6000 Tonnen Steinkohle pro Tag. Durch die Verbrennung von Kohle werden Schadstoffe freigesetzt die erwiesenermaßen sowohl Umwelt wie auch Gesundheit schädigen. Hauptschadstoffe sind Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Arsen, Schwefeldioxid, Chlorverbindungen, Nickel, Blei, Cadmium und Quecksilber, Feinstaub und radioaktive Stoffe.Der Kapazität des Kraftwerks entsprechend werden genannte Stoffe in großer, für Mensch und Umwelt belastender Menge abgegeben. Selbst wenn die vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzen im Einzelfall eingehalten werden, handelt es sich um eine nicht zu verantwortende zusätzliche massive Belastung durch z.T. hochtoxische Substanzen. Als Ärztinnen und Ärzte befürchten wir, dass für die im Umkreis des Kraftwerks lebenden Menschen durch die erhöhte Schadstoffbelastung unkalkulierbare gesundheitliche Risiken entstehen.An erster Stelle sei auf die Feinstaubwerte hingewiesen. Um über 480 Tonnen/Jahr wird die Menge des Feinstaubs durch die Kohleverbrennung ansteigen. Damit wird eine Zunahme von Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen in Kauf genommen.Die WHO hält, aus Gründen der Gesundheitsfürsorge 10 Mikrogramm lungengängigen Schwebstaub pro m³ gerade noch für tolerabel. Der Grenzwert der Schweiz beträgt 20 µg/m³, in Deutschland 40 µg/m³. In Mainz und Wiesbaden werden an Messstationen schon jetzt Jahresmittelwerte von 28-30 µg/m³ gemessen. Es treten Jahresspitzen von vielfach höheren Werten auf. Die Sterblichkeitsrate steht in engem Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung. Durch erhöhte Mengen an Feinstaub in der Atemluft steigt das Risiko der Erkrankung und somit auch die Sterblichkeitsrate.Reizgase wie Schwefeldioxid und Stickoxide schädigen die Atemwege. Es ist mit einer Zunahme der Asthma- und Allergierate zu rechnen.Bei der Abwägung der Fakten sollte ein besonderes Augenmerk auf die gesundheitliche Situation der Kinder in der schon jetzt stark belasteten Ballungszone Mainz/Wiesbaden gelegt werden. Große Mengen an Umweltgiften schädigen schon jetzt deren Atemwege im Stadium der Entwicklung und Ausreifung.Selbstverständlich sind unsere Bedenken nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern in ähnlichen Fällen mehrfach wissenschaftlich belegt worden. Dazu seien im Folgenden einige Untersuchungen, veröffentlicht in einigen der renommiertesten medizinischen Fachjournalen, beispielhaft aufgelistet: 1. Stone in The New England Journal of Medicine (Vol. 351;17, Oktober 21, 2004): Epidemiolog. Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Morbidität. Akute Belastungen z.B. im Straßenverkehr führen zu erhöhter Gefäßentzündung, erhöhter Viskosität des Blutes und Vasokonstriktion (Triggerung von Herzinfarkten) 2. Miller in The New England Journal of Medicine (Vol. 356, No 5, Feb. 1, 2007): Die Untersuchung von 66.000 Frauen zeigte, dass eine erhöhte Feinstaubexposition zu einer deutlich erhöhten Rate von z.T. tödlichen kardiovaskulären Ereignissen führt. 3. Clancy in The Lancet (Vol. 360, October 19, 2002): Nach dem Verbot der Kohleverfeuerung in Dublin am 1.9.1990 reduzierte sich die Morbidität und Mortalität an respiratorischen und kardiovaskulären Ereignissen viel deutlicher als erwartet. 4. Kley in Deutsches Ärzteblatt (Heft 10, 10. März 2006): Eine deutliche Zunahme von Allergien bei Kindern wird bei höherer Luftverschmutzung beobachtet. 5. Zylka-Menhorn in Deutsches Ärzteblatt (Heft 14, 8. April 2005): Der Zusammenhang zwischen chronischem Husten, chronischer Bronchitis, kardiovaskulären Risiken, Verschlechterung der Lungenfunktion, Bronchialkarzinom, Verkürzung der Lebenserwartung einerseits und erhöhter Feinstaubbelastung andererseits gilt als gesichert. Ministerialdirektor Dr. habil. U. Lahl, Bundesumweltministerium: Wir können davon ausgehen, dass mehr Menschen durch Feinstaubexposition sterben als durch Verkehrsunfälle. Sehr hohe Feinstaubkonzentrationen führen zu einer Erhöhung der Herzinfarktrate um 48% nach 24 Stunden und 69% nach 48 Stunden. Eine Erhöhung der Feinstaubkonzentration um 10µg/m³ im Jahresmittel erhöht die Gesamtmortalität um 6%, Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 9%, und Bronchialkarzinom sogar um 14%. In Mehrschadstoffmodellen konnte nachgewiesen werden, dass die Kurzzeitwirkungen von Schwebstaub bedeutsamer sind als die von gasförmigen Schadstoffen wie Ozon, NO2, SO2 und CO.SCHLUSSFOLGERUNGWir sind als Ärztinnen und Ärzte dazu verpflichtet, für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger Sorge zu tragen.Aus medizinischer Sicht halten wir den Bau eines neuen Kohlekraftwerks für nicht verantwortbar. An dieser Stelle können wir nicht näher auf die globalen Ausmaße des Klimawandels eingehen, der vor allem für die in Armut lebenden Menschen zu verstärkten gesundheitlichen Risiken führt, zum Beispiel durch Wetterextreme und dadurch entstehende Hungersnöte. Unser Anliegen als Ärztinnen und Ärzte ist es, darauf hinzuweisen, dass ein neues Kohlekraftwerk die Bevölkerung von Mainz, Wiesbaden und Umland einem verstärkten gesundheitlichen Risiko aussetzen würde. Wir sagen deshalb in aller Deutlichkeit NEIN zum Kohlekraftwerk!Wir fordern dazu auf, nach umwelt- und gesundheitsverträglichen Alternativen zu suchen. Wir wehren uns gegen ein Projekt, das den Menschen wissentlich Schaden zufügt.Wir fordern dazu auf die Verantwortung gegenüber Klimaschutz und dem Schutz der Gesundheit ernst zu nehmen.Wirksame Vorsorge verhindert Beeinträchtigungen, Krankheit und Leid.Nachsorge kann lediglich helfen, die Zunahme von Schädigungen im Rahmen des therapeutisch Möglichen zu begrenzen.Es wäre zynisch, wenn wir einer solchen Entwicklung zum Schlechtern tatenlos zusehen würden.Deshalb sagen wir NEIN zur Verschärfung des Treibhauseffekts, zu weiterer Luftverschmutzung mit Reizgasen und Feinstaub sowie zur Erhöhung der Schwermetallbelastung.Das Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue darf nicht gebaut werden !
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