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++ 267 | 7531 Zeichen | Artikel vom: 20. 04. 2008   Druckversion

Global denken-lokal handeln...

3000 auf der Demo gegen Kohlekraftwerk MZ/WI

Trotz strömendem Regen kamen gestern tausende BürgerInnen aus Mainz und Wiesbaden zusammen um ihren Protest gegen die Pläne der KMW auf die Strasse zu tragen.

Trotz strömendem Regen kamen gestern tausende BürgerInnen aus Mainz und Wiesbaden zusammen um ihren Protest gegen die Pläne der KMW auf die Strasse zu tragen.

Hier der Redebeitrag von Dr.Michael Wilk, AKU-Mitglied und Sprecher der Wiesbadener Ärzteinitiative gegen das Kohlekraftwerk:
"Liebe Anwesende! Wir sind als Ärzte dazu verpflichtet, für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger Sorge zu tragen.
Ich spreche hier jedoch nicht nur als Arzt, sondern auch als hier in dieser Region lebender Mensch. Was momentan schon zum Himmel stinkt, ist nicht das Kraftwerk- das werden wir ja verhindern- sondern die Politik.... Was hier zwischen unseren Städten Mainz und Wiesbaden geplant wird, ist nicht nur ein okölogisches Desaster und eine gesundheitsgefährdende Monstrosität, es ist vor allem auch eine politische Unverschämtheit....
Unverschämt im Wortsinne: ohne Scham- gegen die offensichtliche Mehrheit der Bevölkerung- an einem Projekt festhalten zu wollen, welches den Klimaschutzbestrebungen in Gesicht schlägt und welches das Bedürfnis von uns allen nach sauberer Luft völlig ignoriert.... OB Müller aus Wiesbaden und OB Beutel aus Mainz die beide im Aufsichtsrat der KMW sitzen sind genau dies: ignorant und unverschämt, wenn sie (die zweifelhafte) Profitmaximierung eines Unternehmens höher bewerten als die Interessen der Bevölkerung. Es fehlt offensichtlich der Respekt der Politik gegenüber uns Bürgern..



Deshalb fordern wir alle, die wir hier stehen, sie auf : Denken sie nach, kehren sie um, revidieren sie ihre Entscheidung !

 

Unser Anliegen als Ärzte ist es, darauf hinzuweisen, dass ein neues Kohlekraftwerk die Bevölkerung von Mainz, Wiesbaden und Umland einem verstärkten gesundheitlichen Risiko aussetzen würde.

Mit der Entscheidung für den Bau eines Kohleblocks konterkariert die KMW auf zynischste Art und Weise die Dis­kussion um Klimaschutz...

Die Weichenstellung für den Brennstoff Kohle bedeutet, dass sich der CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde Strom verdoppeln wird. Zusammen mit der geplanten Verdoppelung der Energieproduktion am Standort Mz/Wi ist also mit einer Vervierfachung des CO2 -Ausstoßes gegenüber dem heutigen Kraftwerk zu rechnen.Der Ausstoß von jährlich mehr als vier Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid durch das geplante Kohlekraftwerk ist nicht akzeptabel. 

Die Erzeugung von 823 Megawatt Leistung benötigt die Verbrennung von ca. 6000 Tonnen Steinkohle pro Tag.

Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Arsen, Schwefeldioxid, Chlorverbindungen, Nickel, Blei, Cadmium und Quecksilber, Feinstaub und radioaktive Stoffe. All diese Schadstoffe werden bei Verbrennung von Kohle freigesetzt – und alle schädigen Umwelt und Gesundheit.Es handelt es sich um eine zusätzliche massive Belastung durch toxische Substanzen in einer Region die schon hochbelastet ist. Die erhöhte Schadstoffbelastung, im Umkreis des Kraftwerks steigert die gesundheitlichen Risiken der hier lebenden Menschen...

Um über 480 Tonnen/Jahr wird die Menge des Feinstaubs durch die Kohleverbrennung ansteigen.

Die deutschen Grenzwerte von Feinstaub sind zur Zeit 4x so hoch wie die von der Weltgesundheitsorganisation kalkulierten Werte. (die deutschen Gesetze sind extrem industriefreundlich mit erheblichen negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit) Die Grenzwerte in der Schweiz sind halb so hoch wie in der BRD...

Schon jetzt sind die an den Messstationen von Mainz und Wiesbaden gemessenen Werte im Durchschnitt hoch- es treten Jahresspitzen von vielfach höheren Werten auf.

Studien weisen nach, dass mehr Menschen durch Feinstaubexposition sterben als durch Verkehrsunfälle.

Erhöhte Feinstaubkonzentrationen führen zu einer Erhöhung der Herzinfarktrate, vermehrten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bronchialkarzinomen...

Die Sterblichkeitsrate steht in engem Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung. Reizgase wie Schwefeldioxid und Stickoxide schädigen die Atemwege. Es ist mit einer Zunahme der Asthma- und Allergierate zu rechnen.Deshalb sagen wir NEIN zur Verschärfung des Treibhauseffekts, zu weiterer Luftverschmutzung mit Reizgasen und Feinstaub und Schwermetallen.

Wir sagen deshalb in aller Deutlichkeit NEIN zum Kohlekraftwerk!Schadstoffe kennen keine Stadt- und keine Landesgrenze...

Verkehr, Kraftwerke, Ver- und Entsorgung, der Frankfurter Flughafen, belasten eine ganze Region mit einer immensen Menge von Schadstoffen, Feinstäuben, Versiegelung von Naturflächen, Lärm und nicht zuletzt dem global belastenden CO2. Die Politik schreibt großzügige Einzelhöchstwerte vor. Die Kumulation der Einzelbelastung ist jedoch nicht oder kaum berücksichtigt.

Wir fordern, auch im Namen des neuen Umweltnetzwerks Rhein-Main (zu dem sich viele Initiativen zusammengeschlossen haben), die Erstellung einer Gesamtbelastungsstudie für das Rhein Main Gebiet in Verbindung mit einem Planungsstopp für Umweltbelastende Großprojekte.

 

Es geht jedoch nicht nur um unsere Stadt, unsere Region und die eigene Betroffenheit....

Klimawandel und die perverse Verschleuderung von Energie zugunsten der Nordhalbkugel bedeuten schon jetzt Elend, Hunger und Tod in anderen Regionen der Erde.

Während einige Spinner übers Wochenende nach Malle oder nach New York zum shoppen fliegen, werden in anderen Regionen der Erde Lebensmittel knapp weil Anbauflächen für die profitablere Erzeugung von Biosprit herhalten müssen...

Es steigen die Preise von Reis und Mais- für das lukrative Geschäft mit Palmöl werden in Indonesien Regenwälder abgebrannt. Menschen hungern, damit die Maschinerie der Weltwirtschaft weiterhin rund läuft.

Wir sollten den Widerstand gegen schädliche ökologische und menschenverachtende Großprojekte nicht losgelöst von der sozialen Wirklichkeit sehen: Es geht in diesem Sinne nicht ausschließlich um Ökologie und nur unsere Gesundheit- es geht auch darum ob sich  unmenschliche Herrschaftsstrategien in diesem Land, in Europa, ja weltweit ungebrochen durchsetzen. So wie die Profite der Einen steigen, so verarmen andere Teile der Gesellschaft, Giftmüll der Industrienationen wird den Ärmsten der Welt vor die Füße gekippt, Verelendung und Hunger interessieren nicht, solange die Waren- und Kapitalströme in die richtigen Taschen fließen. Die Arroganz der Macht zeigt sich in vielen Facetten und wird im Zweifel militärisch durchgesetzt.

 

Ein Ansatz diese Dimension der Klimadiskussion aufzugreifen, wird das diesen Sommer in Hamburg stattfindende Klimacamp

 "Für ein ganz anderes Klima! Klimacampen in Hamburg 14. bis 24. August 2008" sein.

Wir sind gefordert uns diesem Wahnsinn entgegenzustellen. Und deshalb stehen wir heute hier sehr gut...

Die offizielle Politik handelt hier verantwortungslos, das ökologische und auch das soziale Gewissen der Parteien orientiert sich am eigenen Machterhalt und an Legislaturperioden. Auch am Punkt Kohlekraftwerk haben sich die Parteien erst bewegt, nachdem es Druck von unten gab...

Hüten wir uns vertrauensselig in Bezug auf Parteien zu sein, nur unsere Wachsamkeit und Präsenz wird dauerhaft etwas ändern.

Global denken und lokal handeln, heißt für uns:Nicht nur im Eigenen Interesse sondern auch im Hinblick auf weltweite Probleme :

 

Das Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue darf nicht gebaut werden !

 

Dr. Michael Wilk 

 www.aerzte-initiative-wiesbaden.de

 

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