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++ 77 | 5006 Zeichen | Artikel vom: 10. 09. 2008
Druckversion  Veranstaltungsankündigung "Rechtspopulismus-Arbeitswelt- Armut" Vortrag+ Diskussion mit Prof.Christoph Butterwege zu Programm und Folgen des Neoliberalismus

Christoph Butterwegge ist an der Uni Köln Professor für Politikwissenschaft |  |
Am Freitag, den 19.September, 19:00 Uhr. Fachhochschule Wiesbaden, Kurt-Schumacher-Ring 18
Eintritt frei
Christoph Butterwegge hat sich in den vergangenen Jahren besondere Verdienste erworben, indem er
in zahlreichen Beiträgen der in der öffentlichen Diskussion allenthalben vorherrschenden Sachzwangkeule einen kritischen Blick entgegenstellte: |
Weder die demographische Entwicklung noch die sog. Globalisierung noch die vermeintlich vormundschaftlichen Verkrustungen des Sozialstaats haben eine Entwicklung unausweichlich gemacht, die die soziale Polarisierung, die Relativierung gesellschaftlicher Verantwortlichkeit für die Daseinssicherung sowie eine neue Wettbewerbsorientierung auf den Plan setzte.Jenseits von Stand, Klasse und Interessen wird Arbeitnehmern, Prekarisierten und allen anderen gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen angetragen, sich als Mitstreiter eines scheinbar im Gemeineigentum aller befindlichen Unternehmens Deutschland zu verstehen, das sich auf dem Weltmarkt behaupten müsse. Dieser Linie der Erzeugung eines breit getragenen Standortnationalismus tritt innergesellschaftlich eine Orientierung auf Unternehmereigenschaften und auf das Leistungsprinzip zur Seite. Selbst der Hartz IV-Empfänger hat sich ausschließlich als „Arbeitskraft-Unternehmer“ zu verstehen, dessen ggf. als unzulänglich erachtetes Marktverhalten und dessen mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ihn auch dann noch für seine Lage verantwortlich machen, wenn er in den verschlossenen Wartesälen des Arbeitsmarkts in Trainingsmaßnahmen lediglich zum Nachsprechen der quasi religiös Geltung beanspruchenden Parolen gezwungen wird. Die Steuerung der Mentalitäten zeigt durchaus Wirkung: 2007 stimmte über ein Drittel der Deutschen den Aussagen tendenziell zu, die Gesellschaft könne sich wenig nützliche Menschen und menschliche Fehler nicht (mehr) leisten. In einer Befragung äußerten etwa 40% die Ansicht, in unserer Gesellschaft würde zu viel Rücksicht auf Versager genommen, zuviel Nachsicht mit solchen Personen gilt 43,9 Prozent als unangebracht, und etwa ein Viertel stimmt der Aussage zu, dass „moralisches Verhalten ein Luxus“ sei, den „wir uns nicht mehr leisten“ könnten (Heitmeyer: Deutsche Zustände. Folge 6. 2008).
In dieser gesellschaftlichen Landschaft war Christoph Butterwegge früh einer der wenigen, der die feldzugsmäßig aufgezogene mentale Belästigung kritisierte, welche die Betriebswirtschaft als einzig richtigen und einzig möglichen Kompass für alle Lebensfragen, sämtliche Gesellschaftsbereiche und für das Zusammenleben der Menschen ausgibt. Den neuen Erscheinungsformen von Verelendung und Kinderarmut galt dabei Butterwegges besondere Aufmerksamkeit. Zur gleichfalls interessierenden Frage, welche Wechselwirkungen zwischen Neoliberalismus und Rechtsextremismus ausfindig zu machen sind, sind Butterwegge und sein Team einem bislang in der Rechtsextremismusforschung wenig beachteten Zusammenhang nachgegangen: Nicht nur Menschen in prekären oder sozialökonomischen Abstiegspositionen („Verlierer“) können für rechte Ideologien empfänglich werden, vielmehr bilden Standortnationalismus, Ideologie des Erfolges und Sozialdarwinismus Bindeglieder zwischen Neoliberalismus und eher rechtspopulistischen Positionen, die sich die Gewinner der neoliberalen Umstrukturierung zu eigen machen können. Diese verbessern u.a. als Aufsteiger ihre soziale Position, leiden aber gleichzeitig unter starker Arbeitsbelastung, extensiven Arbeitszeiten und massiven Flexibilitätsanforderungen.
Hier kann eine neue Aufnahmebereitschaft für gesellschaftliche Ordnungskonzepte entstehen, die sich gegen mangelnde Aufopferungsbereitschaft von Kollegen im und für den eigenen Betrieb richten und rigide Maßnahmen gegen solche verlangen, die sich nicht – wie man selbst – für das Wohl der nationalen Wirtschaft quälen.
Christoph Butterwegges eingangs hervorgehobenes Wirkungs-und Verbreitungsengagement steht auf der Basis umfangreicher wissenschaftlicher Arbeiten, die er als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Köln verfasst hat.
Im vorliegenden Zusammenhang besonders erwähnenswert: !Krise und Zukunft des Sozialstaates 3. Aufl. (2006) !Kritik des Neoliberalismus (mit Lösch und Ptak verfasst) 2. Aufl. (2008) • Neoliberalismus: Analysen und Alternativen (gemeinsam mit den vorgenannten herausgegeben) (2008) • Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut (mit Hentges herausgegeben) (2008) • Kinderarmut in Ost-und Westdeutschland (mit Klundt und Belke-Zeng verfasst) 2. Aufl. (2008) E ine Zusammenfassung der Grundpositionen von Christoph Butterwegge bietet der Aufsatz „Globalisierung, N eoliberalismus und Rechtsextremismus“ (19 Seiten), 2006, auf der H omepage des Bildungswerks Anna Seghers abrufbar ist:
www.bildungswerk-seghers.de
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