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++ 505 | 10527 Zeichen | Artikel vom: 28. 03. 2009   Druckversion

Wir zahlen nicht für Eure Krise!

Redebeitrag des AKU Wiesbaden auf der Demo in Frankfurt, 28.3.09: "Krise, Geiselnahme und Ökologie...

Sie versuchen uns zu erpressen, versuchen ihre Projekte vor dem Hintergrund der „Krise“ durchzudrücken. Das ist die eigentliche Geiselnahme und die soll sich lohnen.

Sie versuchen uns zu erpressen, versuchen ihre Projekte vor dem Hintergrund der „Krise“ durchzudrücken. Das ist die eigentliche Geiselnahme und die soll sich lohnen.

Mitte März haben wütende Sony Mitarbeiter in Frankreich bei Sozialplanverhandlungen ihre beiden Chefs über Stunden als Geisel genommen, um höhere Abfindungen zu bekommen.
Man kann über diese direkte Aktion unterschiedlicher Meinung sein. Wer jedoch behauptet, Geiselnahme gehöre nicht zu den gängigen Methoden gesellschaftlicher Auseinandersetzung, der irrt.




In Zeiten wie diesen, werden Millionen Menschen zu Geiseln ihrer sozial-ökonomischen Situation, - durch ein System das Abhängigkeiten schafft, für schnelle Gewinne, auf Kosten der Natur und zu Lasten der Menschen.Mit dem Argument „die Wirtschaft könne nicht darauf verzichten, Arbeitsplatze seien gefährdet“, werden Projekte durchgedrückt die Profite einfahren sollen, deren Folgeschäden jedoch wir zu tragen haben.

Ein wuchernder Flughafen mit 800000- 1 Million Flugbewegungen, der Lärm, der Dreck, die Zerstörung der Atmosphäre, dies alles durchgesetzt mit dem Argument der Arbeitsplätze. Die jüngste Räumung des Hüttendorfs, die Zerstörung von Hunderten Hektar Wald- alles im Namen einer ungezügelten Wachstumsideologie.

Fraport und Lufthansa sind jedoch keine Wohlfahrtsinstitute, denen die Schaffung von Arbeitsplätzen am Herzen läge. Das Gegenteil ist der Fall: Wo es nur geht wird rationalisiert, werden Arbeitsplätze abgebaut. Das, was den Menschen als Zukunftssicherung verkauft wird, bedeutet für die am Flughafen Beschäftigten vermehrter Arbeitsdruck und Stress. Ganze Unternehmensbereiche werden ausgegliedert, um mit Tochterunternehmen noch mehr Leistung für weniger Geld aus den Menschen herauszupressen. Die meisten der Arbeitsplätze die wirklich neu entstehen sind oft unterbezahlt, stressig, laut und schmutzig - sie zählen zu den gesundheitsschädlichsten der Republik.

Im Bereich der Energiepolitik das gleiche Szenario: Hochbrisante Atomkraftwerke, darunter die Schrottreaktoren von Biblis (50 km entfernt) sind wahre Gelddruckmaschienen der Energiekonzerne. Ca. 500 Millionen Euro spülen nur die beiden Blöcke in Biblis jedes Betriebsjahr in die Kassen der RWE. Wir jedoch haben nicht nur ständig mit dem Risiko eines Unfalls zu leben, sondern die Konzerne belasten auch nachfolgende Generationen über tausende von Jahren mit hochgiftigen Atommüll (z.B. Plutonium, HWZ 24 000 J.). In „standorteigenen Zwischenlagern“, unter Rot-Grün genehmigt und errichtet, stehen bis zu 40 Jahre lang auch in der dichtbesiedelten Rhein-Main-Region Castoren randvoll mit  hochradioaktivem Atommüll aus den Reaktoren Biblis A und B.

 Alle reden vom Klima und von Co2, aber was solls, was kümmern euch die Menschen der Dürrezonen oder die absaufenden Inseln in der Südsee...

In der Rhein-Main-Neckar Region stehen allein drei gigantische Kohlekraftwerksbauten auf dem Plan. Mit Kohleverstromung kann man Geld verdienen, viel Geld, besonders wenn die Kohle aus Kolumbien und China kommt, da ist die Arbeit billig (und gefährlich) und der Gewinn dann umso höher.

Castoren, Gorleben, und Asse, der Flughafen und die Kohlekraftwerke sind Beispiele einer Politik, die an Verantwortungslosigkeit nicht zu überbieten ist, forciert durch die Geldgier der Konzerne und abgesegnet durch skrupellose Politiker.

 Für sie das große Geld, für uns das Risiko, der Schmutz, der Lärm...

 Sie versuchen uns zu erpressen, versuchen ihre Projekte vor dem Hintergrund der „Krise“ durchzudrücken. Das ist die eigentliche Geiselnahme und die soll sich lohnen. Die Methode reicht von der blanken Drohung bis zum Versuch ein hirnverkleisterndes Wir-Gefühl herbeireden zu wollen.

Diverse Politiker und andere Führsprecher des Kapitals, bis hinein in konservative Gewerkschaftskreise werden nicht müde von unserer Krise und unseren Aufgaben zu sprechen. Aber wir sind es schon lange leid dies alles anzuhören, das verlogene Gesülze vom gemeinsamen Interesse, unserer Wirtschaft und womöglich auch noch unserer Nation...

Die Lüge von der Sozialpartnerschaft die es jetzt zu erneuern gilt ist eine Farce.

Es gibt keinen guten, sozialen, und schon gar keinen ökologischen Kapitalismus.

Der Karren der jetzt feststeckt und der „gemeinsam aus dem Dreck gezogen werden muss“ ist der Karren vor den wir gespannt werden sollen....

Sie wollen ungebremstes Wachstum- etwas das man in der Medizin als Krebs bezeichnet, weil es zerstört und die Umgebung auffrisst, sie wollen, dass das System wieder beschleunigt und Fahrt aufnimmt. Koste es was es wolle, egal wohin es führt.

Und genau das wollen wir nicht, dagegen stehen wir hier, dagegen gibt es Widerstand... Im Gegensatz zur herrschenden Politik fragen wir nicht nur nach der Menge der Arbeitsplätze, sondern ebenso nach den Arbeitsbedingungen, - ja mehr noch – wir erlauben uns die Frage nach dem Sinn und dem Inhalt von Arbeit.

Wir fragen wem sie nutzt und wem sie schadet…und auch ob sie die Umwelt zerstört oder erhält.

Unser Denken geht über den fünfjährigen Rahmen der Legislaturperioden heraus. Die Korrumpierbarkeit der politischen Parteien hat sich als integraler Bestandteil des Herrschaftsystems bewiesen. Das macht uns misstrauisch und selbstbewusst. Wir Lernen am Protest und am Widerstand, für eine andere politische Kultur und ein anderes Menschenbild als ihr es habt.

Und stellt euch vor- ihr die ihr versucht Millionen Menschen mit der Krise als Geiseln zu nehmen,- wir haben schon längst begriffen , dass es nicht mit, sondern nur gegen euch gehen kann.

Wir werden weiter präsent sein, am Flughafen in Gorleben und überall da, wo ihr uns nicht haben wollt."

      

Dr. Michael Wilk, AKU-Wiesbaden, Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau

 

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