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Fakten. Fakten. Fakten. Im April diesen Jahres griffen über 15, teilweise mitZaunlatten bewaffnete, Neonazis mitten im FrankfurterSauf- und Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen an einemSamstagabend vier Antifaschisten an und verletztendiese erheblich. Einige der Nazis wurden direkt nachdem Angriff festgenommen. Laut Augenzeugenberichtenkamen sie aus dem Musiklokal "Oberbayern", in dem sieoffenbar bis dahin ungestört "gefeiert" hatten, ohnedass sich jemand daran gestört hätte - obwohl einigevon ihnen durch entsprechende T-Shirts und Aufnäherals Neonazis erkennbar waren. Kein Einzelfall in Frankfurt-Sachsenhausen. ObwohlStadtverwaltung und Polizei aus Sorge um den Ruf des"Standort Frankfurt" unisono erklären, in Frankfurtgäbe es keine Naziszene und rechte Übergriffe aufAndersdenkende, JüdInnen und MigrantInnen verschwiegenwerden, geben sich bekannte Rechtsextreme aus Südhessen in Sachsenhausen regelmäßig einStelldichein. Immer wieder sind hier Gruppen vonNeonazis und rechtsextreme Skinheads anzutreffen, diesich mit Aufnähern wie White Power und T-Shirts mitdem Antlitz des Hitler-Stellvertreters undverurteilten Kriegsverbrechers Rudolf Hess keine großeMühe geben, ihre Einstellung zu verbergen. Oft mitdabei: Mitglieder und Umfeld der sogenannten FreienNationalisten Rhein-Main, die bundesweit aufNazi-Aufmärschen vertreten sind und deren führendeMitglieder gerade dabei sind, in der hessischenProvinz, in Butzbach-Hochweisel ein NationalesZentrum zu errichten.Zwischen Kneipen, die für Prolls aus der Umgebunggerne Böse-Onkelz Abende, Tequilla Partys undSchlagerfeten veranstalten, tummelt sich somit oftalles was das nationale Herz begehrt: von rechtenProlls bis zu organisierten Neonazis. Dabei kommt esimmer wieder zu Übergriffen und Auseinandersetzungenmit MigrantInnen und anderen, die nicht ins deutscheWeltbild passen. Für Polizei und Stadtverwaltung wirddas dann - wider besseren Wissens - unter der RubrikKneipenschlägerei abgehakt. Doch es ist weit mehrals das: Für die organisierte Neonazi-Szene derFreien Kameradschaften ist es ein Ziel, endlichwieder als Teil einer normalen Alltags- und Subkulturaktzeptiert zu werden. So wird dem Nachwuchs Stärkedemonstriert und hier werden Kontakte geknüpft. Ansätze dazu sind bei weitem (nicht nur) inSachsenhausen vorhanden. Für viele Türsteher, Wirteund Gäste sind Nazis und ihre Aktionen oft keinProblem mehr. Es gilt, solange die mir nichts tun istes doch egal. Schließlich sei die Überzeugung derNazis halt eine Meinung wie jede Andere. Dabei hatsich zwar das Auftreten, die Form der Nazi-Bewegunginzwischen modernisiert - statt reiner Skinhead-Kulturmachen sie inzwischen auf poppig; es gibt Nazi-Metalund sogar Nazi-Hip-Hop mit entsprechendem Dresscode.Nichts geändert hat sich jedoch am Inhalt:rassistische Hetze, Sozialdarwinismus, Hass auf dieAufklärung, verschwörungstheoretischer Antisemitismus,extremer Nationalismus, autoritärer Führerkult, etcpp. sind, was die NeoNazis nach wie vor anzubietenhaben. Dem gilt es - natürlich - entgegenzutreten.Denn nur dort, wo sich den Nazis kein entschlossenerWiderstand entgegengestellt hat, konnten sie sichbisher entfalten.Nun sind Sachsenhausen und Frankfurt nicht zuletztwegen der vielfältigen antifaschistischen Aktivitäten,dem relativ liberalen öffentlichen Klima und derBevölkerungsstruktur sicherlich weit davon entfernt,für die (gesamtgesellschaftlich immer nochunbedeutende) Naziszene eine nationale befreite Zone- wie im Osten - zu sein. Und werden es wohl auchnicht werden. Dass sich aber bekennende Neonazis,trotz der überall zu hörenden bürgerlichenBekenntnisse gegen Rechtsextremismus, zunehmend inder sprichwörtlichen Mitte der Gesellschaftungestört entfalten können, verweist aufgesellschaftliche Verhältnisse und eine Entwicklung,gegen die eine erfolgreiche antifaschistischen Praxismehr braucht als den Versuch, die inzwischen allzu oftals normal empfundenen Nazis zu skandalsieren. rechter Konsens Auch wenn es spätestens seit dem Antifa-Sommer 2000des rot-grünen Projektes zum guten Ton der BerlinerRepublik gehört, sich in Politik, Kultur undWirtschaft deutlich gegen Neonazis zu positionieren,wird bei genauerem Hinsehen deutlich, wie wenig diesmit einer inhaltlich begründeten Gegnerschaft zumnationalsozialistischen Projekt zu tun hat. Zwar wirdder Nationalsozialismus mit seinen Produkten ZweiterWeltkrieg und Holocaust anlässlich der entsprechendenGedenktage als der Gegenpol zur bürgerlichenDemokratie charakterisiert; wenn es aber auf die,gerade nach dem Wahlsieg der NPD in Sachsen ständigbeschworene, inhaltliche Auseinandersetzung ankommensoll, herrscht gemeinhin großes Schweigen. So wird denNazis vor allen Dingen vorgeworfen, dass sie sichnicht an die formalen Spielregeln der Demokratiehalten würden, dem Image des Standort Deutschlandschaden und ihre wirtschaftlichen Vorschläge nichtrealistisch, bzw. finanzierbar seien. Nicht etwa dieÜberzeugungen der Nazis gelten hier also als Problem,sondern die Radikalität ihres politischen Ausdrucks.Kein Wunder, schließlich ist die grundsätzlicheinhaltliche Übereinstimmung zwischem rechtem Rand undder Mitte der Gesellschaft in vielen Punkten kaum zuübersehen. Vom weit verbreiteten Bezug auf dasKonstrukt von Nation und Staat alsSchicksalsgemeinschaft, deren Sachzwängen sich dereinzelne Mensch letztlich unterzuordnen hat, über dieIdealisierung der (Lohn-)Arbeit als Sinnstiftung undBedingung für den Wert des Menschen bis hin zurAktzeptanz des natürlichen Gesetzes, dass derStärkere überlebt, besteht zwischen bürgerlicher Mitteund Neonazis kein tiefer Dissenz.Ob sich das im Konkreten als Hetze gegen angeblicheSozialschmarotzer (CDU) oder eben Volksschädlinge(NPD) äußert, ist da eher eine Frage derParteipolitik. Was sich in der angeblich großenPolitik abzeichnet, spiegelt sich auch imAlltagsbewusstsein. Durch die, mit der Unterordnungmenschlicher Bedürfnisse unter die Sachzwänge desStandortes im kapitalistischen Wettbewerbeinhergehende Entpolitisierung der Gesellschaftverwischen die inhaltlichen Vorbehalte der Demokratengegenüber den Nazis. Wo das Leben nicht gestaltbar,nicht Geschichte ist, sondern als Schicksal erscheint,sind Meinungen eben wirklich bloß Geschmacksache überdie sich - ganz dem Spichwort entsprechend - zwarreden aber nicht (mal) streiten lässt. Es bedarf indiesem Sinne nicht extra rassistischerUnterschriftkampagnen o.ä. für die Annährung zwischenMitte und rechtem Rand. Das heißt allerdingskeineswegs, dass die bürgerlichen Kräfte sich langsamaber sicher mit den Neonazis arrangieren würden. Schondie Notwendigkeiten der modernen Verwaltung desStandortes stehen dem entgegen: Zu - im schlechtestenSinne - unrealistisch erscheinen die realpolitischenVorschläge der Nazis (wie z.B. der von der NPDgeforderte Austritt aus der EU) momentan. Sehr wohlaber bedeutet dies, dass ein gesellschaftlicherRechtsruck stattfindet, von dem die Nazisgrundsätzlich profitieren können. Dieser basiert aufeinem rechten Konsens, der Nazis wie auch bürgerlicheNazi-Gegner vereint. Nicht in der Form einereinheitlichen Weltanschauung, sondern vielmehr alsSammelsurium alltäglicher Überzeugungen, die - wiez.B. ein autoritäres Verständnis von Gesellschaft(Gemeinsinn statt Eigensinn) und die Verachtung vonSchwächeren - weit über die Naziszene hinaus alsselbstverständlich gelten. Dabei ist eine neue,paradoxe Form der Instrumentalisierung der Nazis durchden Staat zu beobachten. Statt - wie bei derfaktischen Abschaffung des Asylrechts 1993 - alsStichwortgeber zu dienen, sind die Nazis der Dreck andem der Saubermann seine weiße Weste zeigen kann. Siewerden offiziell so bekämpft, wie man sie braucht umvia Vergleich mit ihnen eine effektiv rechte Politikals fortschrittlich zu verkaufen. Keinen Abbruch tundiese publikumswirksame Gegenaktivitäten aufgrundrealpolitischer Sachfragen aber der grundsätzlichenÜbereinstimmung. So kann man zwar offen und durchausehrlich aus formalen Gründen gegen Nazis, jedochinhaltlich mit ihnen weitgehend einer Meinung sein.So sehr dies schon, siehe oben, für die Sphäre der(Partei-)Politik gilt, so wird dies beim Blick auf dieAlltagskultur noch deutlicher.Du und deine Freunde...Kaum einer der Schweigenden aus der Masse, die mitNazis zusammen Bier trinkt, in Vereinen Fußballspielt, auf Dorffesten feiert, etc würde sich wohlselbst als rechts bezeichnen. Meistens hat man sogarzumindest hin und wieder mal ein mulmiges Gefühl, aberletztlich sind die Rechten doch nett und höflich -von daher kommt man gut miteinander aus. Die böseToleranz gegenüber Neonazis speist sich jedoch auchgerade hier aus der Unfähigkeit, überhaupt einengrundsätzlichen Streitpunkt mit ihnen auszumachen. Jemehr die Nazis via Medien inhaltsleer als gefährlichund falsch gekennzeichnet werden, desto mehr könnensie damit überraschen dass sie im Alltag keineMonster sein müssen. Das intelektuelle Nivau, auf demsich solcherart Prozesse abspielen ist zwar mit derBewertung unterirdisch noch verharmlost, zeigt abertrotzdem, dass Antifaschismus in Zeiten einer sichauflösenden gesellschaftlichen Vernunft den Kampfgegen die normale Dummmheit als Vorraussetzung hat. Das heißt in der Konsequenz nicht zuletzt auch dieNazi-Bewegung als identitäres Projekt ernst zu nehmenund anzugreifen. Denn auch wenn die Neonazisgesellschaftlich schon lange keine Stichwortgeber mehrsind und die reaktionäre Formierung des StandortesDeutschland aus seiner Mitte heraus organisiert wird,sind die Nazis ein real gefährliches Angebot, die ebendaraus folgende Legitimationskrise zu lösen. Nicht inForm der Übernahme der politischen Macht, sondern alsreale Scheinopposition plus extrem identitäremEinrichten in den miesen Verhältnis und der Jagd aufalle, die dies stören, indem sie - ob nun gewollt odernicht - aus der Reihe tanzen. Daraus ergibt sich auchdie, mal wieder in Mode gekommene, Selbststilisierungder Naziszene als revolutionär. Wo Deutsch-seinnicht mehr den automatischen Zugang zu den sozialenSicherungssystemen bedeutet, entsteht faschistischeSystemfeindschaft. Diese will und kann dabei jedochso wenig über die Grundprinzipien des kapitalistischenSystems hinaus, wie aus ihr gerade deswegen dieMöglichkeit zur Schaffung einer revolutionärenIdentität erwächst. Vor allem, da die KategorieIdentität nur als Teil dieser Gesellschaft Sinn machtund somit per se nicht über diese hinaus kann. Dernämlich, dass man allen ernstes der schlechtenGegenwart mit dem Anspruch eines zukünftigem Remakes der noch schlechteren Vergangenheit beikommen will. Frei nach dem Gesellschaftskritiker Pohrt lässt sichschließlich feststellen, dass die Faschisten denunheilvollen Gang des Kapitalismus nicht aufhalten,wohl aber noch mehr Unheil anrichten können wie inTeilen Sachsens schon real zu beobachten, wo NPD undFreie Kameradschaften weitgehend ungestört agierenkonnten, entpuppt sich das nationalsozialistischeTicket vor allen Dingen als Angebot zur Schaffungeiner nationalen Alltagskultur mit deren objektiverSchäbig- und Menschenfeindlichkeit es sich in denAugen der Nationalsozialisten in den sichverschärfenden Verhältnissen ganz angenehm leben läßt.Die Etablierung einer vielfältigennationalsozialistischen Kultur im Alltag jenseits derSphäre des Politischen ist das, was die Nazimittelfristig anzubieten haben. Ihr heutiger Endsiegwäre also ein im schlechtesten Sinne unpolitischer.Linke Perspektiven ?In der heutigen Situation muss daher die Frage nachden Wirkungsmöglichkeiten antifaschistischer Praxisneu gestellt werden. Schließlich sind schon die Möglichkeiten von Demonstrationen zur effektivenSkandalisierung der Nazis durch den rechten Konsensbegrenzt. Indem dieser aber aktiv thematisiert wird,kann, wenn überhaupt, den Nazis erst wirklich dasWasser abgegraben werden. Dies braucht es nicht, umaus antifaschistischem Engagement etwas revolutionäreszu machen, sondern vielmehr, um Antifaschismus gegenden nicht enden wollenden gesellschaftlichenRechtsruck überhaupt wirksam zu machen. In diesemSinne ist eine Demo, die den Versuch unternimmt, nichtnur die Nazis, sondern vielmehr deren unpolitischesUmfeld und dessen rechten Konsens zu skandalisierenein Schritt in die richtige Richtung. Klar ist aberauch, dass solch eine Demo nur ein Anfangspunkt seinkann.Dass dabei eine grundsätzliche Äuflösung der, solangweiligen wie gefährlichen, faschistischenBedrohung nur von der endgültigen Überwindung des Eisberges aus Nation und Kapital zu erwarten ist -dessen Spitze die Nazis nach einer altenAntifa-Weisheit ja bloß darstellen - verweistdarüberhinaus auf die Notwendigkeit, eine radikale Gesellschaftskritik zu entwickeln und wirksam zumachen, die dann wirklich aufs Ganze geht. Eine Praxis, die effektiv im hier und jetzt gegen die Nazisund ihre Freunde wirkt, ist jedoch zwingendeVoraussetzung für dieses notwendige Projekt. Denn diefortschrittliche Entwicklung einer radikalenGesellschaftskritik ist in Zuständen in denen Nazis sonormal wie ihre Übergriffe sind nicht zu machen. Konkret heißt das, zuerst einmal die Absage an denkapitalistischen Zwang zu formulieren, dass man seine- inzwischen komplett irre weil gesellschaftlichunnötig gewordene -"Nützlichkeit" entweder durch daspräventive Einprügeln auf jene, die im Kapitalismusals noch schwächer und überflüssiger erscheinen alsmensch selbst, oder durch die Unterordnung unter dieSachzwänge des Marktes beweisen zu müssen. Diedaraus erst zu entwickelnde reale Perspektive aufeine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus, in derjeder ohne Angst verschieden sein kann, bleibt vorerst nur ein Anti zur bisherigen Aneinanderreihung vonKatastrophen, die beschönigend Weltgeschichte genanntwird. Genauer ist es im Moment noch nicht zu haben. Umdie Nazis und ihre Freunde in Frankfurt-Sachsenhausenund darüberhinaus in ihrer Ruhe zu stören und ihremTreiben damit einen Strich durch die Rechnung zumachen reicht es jedoch allemal. Gegen Dich und deine Freunde... Den rechten Konsensdurchbrechen - Nazis bekämpfen! Am 22.Oktober 2005 um 19 Uhr amDiesterwegplatz/Südbahnhof in Frankfurt-Sachsenhausen ___________________________________________ Infoveranstaltung zur Demonstration "gegen dich und Donnerstag, 13.10.2005, 20 Uhr, Saalbau Südbahnhof (im ____________________________________
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